G LEXIKON

Gewinde

Schraubenförmige Profilierung auf zylindrischen oder konischen Flächen zur lösbaren Verbindung.

Definition

Ein Gewinde ist eine schraubenförmige Einkerbung auf einer zylindrischen oder konischen Oberfläche. Es dient zur lösbaren Verbindung (Befestigungsgewinde) oder zur Bewegungsübertragung (Bewegungsgewinde). In der CNC-Fertigung werden Gewinde durch Gewindebohren, -fräsen oder -drehen hergestellt.

Detaillierte Erklärung

Metrische ISO-Gewinde (M-Gewinde) nach DIN 13 sind der Standard in der industriellen Fertigung. Die Bezeichnung M10×1,5 bedeutet: Nenndurchmesser 10 mm, Steigung 1,5 mm. Bei Feingewinden (z.B. M10×1,0) ist die Steigung kleiner als beim Regelgewinde, was höhere Vorspannkräfte und bessere Selbsthemmung ermöglicht.

Beim CNC-Gewindebohren (G84) wird die Drehzahl mit dem Vorschub synchronisiert: vf = n × P (Steigung). Moderne Steuerungen bieten interpoliertes Gewindefräsen (G33/G331) als Alternative — flexibler bei großen Durchmessern und ermöglicht Links- und Rechtsgewinde mit dem gleichen Werkzeug.

Kernlochbohrung: Der Kernlochdurchmesser für Gewinde berechnet sich als d_kern = d_nenn − P (Steigung). Für M10×1,5: d_kern = 10 − 1,5 = 8,5 mm. Bei Blindbohrungen muss die Gewindetiefe plus Auslauf (ca. 2–3 P) berücksichtigt werden.

Arten & Varianten

Metrisches ISO-Gewinde (M)

Standard-Befestigungsgewinde nach DIN 13 / ISO 261. Flankenwinkel 60°.

Feingewinde

Kleinere Steigung als Regelgewinde. Für dünnwandige Bauteile und hohe Vorspannkräfte.

Trapezgewinde (Tr)

Bewegungsgewinde nach DIN 103. Flankenwinkel 30°. Für Spindeln und Verstellmechanismen.

Rohrgewinde (G/R)

Nach DIN ISO 228 (zylindrisch) bzw. DIN 2999 (kegelig). Für Rohrverbindungen.

Formel

Kernloch d_kern = d_nenn - P (Steigung)

Rechenbeispiel

CNC-Gewindebohren M10×1,5 mit Synchron-Gewindebohrer:

Kernlochbohrung: d = 10 − 1,5 = 8,5 mm Drehzahl: n = (vc × 1000) / (π × d) n = (15 × 1000) / (3,14 × 10) = 478 U/min Vorschub: F = n × P = 478 × 1,5 = 717 mm/min

Tipp: Bei Sacklochgewinden: Gewindetiefe + 2×P Reserve für Auslauf einplanen.

Normen & Standards

§
DIN 13 / ISO 261

Metrisches ISO-Gewinde — Nennmaße, Regelgewinde und Feingewinde.

§
DIN 76

Gewindeausläufe und Gewindefreistiche für metrische Gewinde.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Kernlochdurchmesser?
Kernloch = Nenndurchmesser minus Steigung. Beispiel: M8×1,25 → d = 8 − 1,25 = 6,75 mm.
Gewindebohren oder Gewindefräsen?
Gewindebohren ist schneller und einfacher. Gewindefräsen ist flexibler (ein Werkzeug für verschiedene Größen), reversibel und besser für große Durchmesser.

Relevante Werkzeuge