G-Code lernen: Grundlagen, Befehle und Beispiel trennen
Diese Seite erklärt den Programmaufbau und ein vollständiges Beispiel. Wer nur einen einzelnen Befehl wie G00, G01, M03 oder M08 sucht, ist in der Tabelle schneller.
Was ist G-Code?
G-Code (DIN 66025 / ISO 6983) ist die verbreitete Programmiersprache für viele CNC-Werkzeugmaschinen. Jede Zeile enthält Anweisungen für Maschinenbewegung, Werkzeugsteuerung oder Hilfsfunktionen; konkrete Zyklen und M-Funktionen bleiben steuerungsabhängig.
Obwohl CAM-Systeme den Code automatisch erzeugen, ist das Verständnis unerlässlich: zum Debuggen, für Korrekturen an der Maschine und zum Verstehen der Bewegungen.
Satzaufbau
Satznummer
Wegbedingung
Koordinaten
Vorschub
Drehzahl
Maschinenfunktion
Die wichtigsten G-Befehle
| Befehl | Funktion | Info |
|---|---|---|
| G00 | Eilgang | Schnelle Positionierung |
| G01 | Linearinterpolation | Gerade mit Vorschub F |
| G02/G03 | Kreisbogen CW/CCW | Mit I/J/K oder R |
| G17/18/19 | Ebenenauswahl | XY / XZ / YZ |
| G28 | Referenzpunkt | Home-Position |
| G40/41/42 | Radiuskorrektur | Aus / Links / Rechts |
| G43 | Werkzeuglängenkorrektur | Aktiviert WLK |
| G54–G59 | Nullpunktverschiebung | Werkstück-KOS 1–6 |
| G81/G83 | Bohrzyklus / Tiefbohren | Festzyklen |
| G90/G91 | Absolut/Inkremental | Koordinatenmodus |
M-Befehle
Beispiel: Rechtecktasche fräsen
N10 G90 G17 G21 (Absolut, XY, mm)
N20 G54
N30 M06 T01
N40 S4000 M03
N50 G00 X5 Y5
N60 G43 Z10 H01
N70 G01 Z-3 F100
N80 X45 F800
N90 Y25
N100 X5
N110 Y5
N120 G00 Z10
N130 M05
N140 G28 G91 Z0
N150 M30
G-Code vs M-Code — Was ist der Unterschied?
In einem CNC-Programm arbeiten G-Codes und M-Codes zusammen, übernehmen aber grundlegend verschiedene Aufgaben. Das Verständnis dieser Trennung ist entscheidend für saubere Programme.
G-Codes (Geometrie-Codes) steuern die Bewegung des Werkzeugs: Wohin fährt die Maschine? Wie schnell? Auf welchem Weg (gerade, Kreisbogen)? G-Codes sind modal — einmal aktiviert, bleiben sie wirksam, bis ein anderer G-Code derselben Gruppe sie ersetzt. Beispiel: G01 (Linearinterpolation) gilt für alle folgenden Zeilen, bis G00 oder G02 programmiert wird.
M-Codes (Maschinen-Codes) steuern die Peripherie: Spindel ein/aus, Kühlmittel, Werkzeugwechsel, Programmende. M-Codes sind überwiegend nicht-modal — sie wirken nur einmalig im aktuellen Satz. Ausnahme: M03/M04 (Spindel) bleiben aktiv, bis M05 sie deaktiviert.
| Eigenschaft | G-Code | M-Code |
|---|---|---|
| Funktion | Werkzeugbewegung | Maschinenfunktionen |
| Verhalten | Modal (bleibt aktiv) | Meist nicht-modal |
| Beispiele | G00, G01, G02, G90 | M03, M06, M08, M30 |
| Ausführung | Vor der Bewegung | Vor oder nach der Bewegung |
Wichtig: M-Codes über M30 hinaus sind herstellerspezifisch. M50 bedeutet auf einer Fanuc-Steuerung etwas anderes als auf einer Siemens-Steuerung. G-Codes sind dagegen weitgehend standardisiert (DIN 66025 / ISO 6983), wobei es auch hier steuerungsspezifische Erweiterungen gibt.
CNC-Steuerungen im Überblick
Obwohl G-Code durch DIN 66025 / ISO 6983 geprägt ist, gibt es zwischen den großen Steuerungsherstellern deutliche Unterschiede in Syntax, Zyklen und Funktionsumfang. Drei im deutschsprachigen Raum häufige Systeme:
Fanuc
Weltweit weit verbreitet. Viele Lernmaterialien nutzen Fanuc-nahe ISO-Syntax, dennoch hängen Zyklen, Optionen und M-Funktionen von Steuerung und Maschine ab. Fest- und Bohrzyklen (G73–G89). Makro-B-Programmierung für parametrische Programme.
Siemens Sinumerik
Dominant in Europa, besonders im Werkzeugbau. N-Nummern sind als Satznummern möglich und in Beispielen häufig; Pflicht und Syntax hängen von Programmierart, Steuerungseinstellung und Postprozessor ab. Achswerte werden oft mit Gleichheitszeichen geschrieben (X=50.0). Leistungsfähige Zyklen (CYCLE81–CYCLE97). ShopMill/ShopTurn für dialoggeführte Programmierung.
Heidenhain
Spezialist für Fräsmaschinen, besonders im DACH-Raum. „Klartext"-Programmierung mit natürlicherer Syntax. Kein klassischer G-Code — stattdessen L (Linear), CC/C (Kreismitte/Kreisbogen), FMAX (Eilgang).
Unser G-Code-Referenz-Nachschlagewerk zeigt typische Entsprechungen wichtiger Befehle. Unsere G-Code-Generatoren erzeugen ISO-nahe Beispiele für Standardaufgaben; die finale Freigabe bleibt steuerungs- und maschinenabhängig.
Ihr erstes G-Code-Programm — Schritt für Schritt
Jedes CNC-Programm folgt einer festen Struktur: Programmkopf → Werkzeugvorbereitung → Bearbeitung → Programmende. Am Beispiel einer einfachen Bohrung auf einer Fräsmaschine:
; --- Programmkopf ---
N10 G90 G21 G17 (Absolutmaß, mm, XY-Ebene)
N20 G54 (Werkstück-Koordinatensystem 1)
; --- Werkzeug ---
N30 M06 T01 (Werkzeugwechsel: Bohrer Ø8)
N40 S2000 M03 (Drehzahl 2000 U/min, Spindel EIN)
N50 G43 H01 Z50. (Werkzeuglängenkorrektur)
N60 M08 (Kühlmittel EIN)
; --- Bearbeitung ---
N70 G00 X25.0 Y30.0 (Eilgang zur Position)
N80 G00 Z2.0 (Sicherheitsabstand)
N90 G01 Z-15.0 F120 (Bohren mit Vorschub)
N100 G00 Z50.0 (Rückzug)
; --- Programmende ---
N110 M05 (Spindel AUS)
N120 M09 (Kühlmittel AUS)
N130 G28 G91 Z0 (Referenzfahrt Z)
N140 M30 (Programmende)
In vielen Fräsprogrammen zuerst die Z-Achse freifahren, dann XY verfahren — Sicherheitsabstand, Vorrichtung und Maschinenhandbuch entscheiden die Reihenfolge.
Nach M06 die passende Werkzeuglängenkorrektur nach Steuerungslogik setzen — bei vielen ISO-Programmen ist das G43 mit dem passenden H-Wert.
Für komplexere Bearbeitungen generieren unsere Tools den Code automatisch: Der Taschenfräsen-Generator erzeugt mehrstufige Zig-Zag-Werkzeugbahnen, der Lochkreis-Generator berechnet Bohrkoordinaten automatisch, und der Gewinde-Generator erstellt G32-Programme mit degressiver Zustellung.
Probelauf-Strategien (Debugging)
Bevor ein neues Programm an der Maschine läuft, sollte es gründlich geprüft werden. Fehler im G-Code können zu Werkzeugbruch, Maschinencrash oder Ausschussteilen führen. Diese vier Strategien helfen, Fehler systematisch zu finden:
1. Grafische Simulation
Viele moderne Steuerungen bieten eine grafische Simulation (Fanuc: „Graphics", Siemens: „Simulation", Heidenhain: „Programm-Test"). Hier wird das Programm ohne Maschinenbewegung durchlaufen und die Werkzeugbahn auf dem Bildschirm angezeigt. Für neue Programme ist das meist der erste Prüfschritt.
2. Einzelsatzbetrieb (Single Block)
Im Single-Block-Modus stoppt die Maschine nach jedem Satz. Der Bediener prüft die Position und drückt erneut „Cycle Start". Ideal für den ersten Durchlauf an der Maschine — so kann jede Bewegung kontrolliert werden.
3. Feed Override / Dry Run
Mit dem Feed-Override-Regler kann der Vorschub stufenlos reduziert werden (z. B. auf 10 %). Im Dry-Run-Modus fährt die Maschine alle Bewegungen mit Eilgang — ohne zu schneiden. M01 (Optionaler Halt) stoppt das Programm an kritischen Stellen, wenn „Optional Stop" aktiviert ist.
4. Häufige Fehlerquellen
Fehlender G43: Werkzeug fährt ohne Längenkorrektur → Z-Crash. G90/G91 verwechselt: Absolute vs. inkrementale Koordinaten. Falscher Nullpunkt: G54 statt G55 → Werkstück wird am falschen Ort bearbeitet. F-Wert vergessen: Vorschub 0 → Maschine stoppt oder übernimmt alten Wert.
Unser Online G-Code Viewer ermöglicht die visuelle Prüfung Ihres G-Codes direkt im Browser — ohne Zugang zu einer CNC-Steuerung. Der Konturfräsen-Generator enthält eine integrierte 2D-Werkzeugbahn-Vorschau.
G-Code automatisch generieren?
Unsere Generatoren erzeugen fertigen G-Code.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich G-Code ohne CNC-Maschine testen?
Ja. Die meisten CNC-Steuerungen bieten eine integrierte grafische Simulation. Zusätzlich gibt es kostenlose Online-Tools wie unseren G-Code Viewer, CAMotics oder NCViewer, mit denen Sie G-Code-Programme am PC visualisieren und auf Fehler prüfen können.
Was ist der Unterschied zwischen absolutem und inkrementalem Programmieren?
Im Absolutmodus (G90) beziehen sich alle Koordinaten auf den Werkstück-Nullpunkt. Im Inkrementalmodus (G91) gibt jede Koordinate die Distanz von der aktuellen Position an. Absolutprogrammierung wird für die meisten Programme empfohlen, da sie leichter zu lesen und zu prüfen ist.
Wie viele G-Codes gibt es?
Der ISO-Standard definiert Codes von G00 bis G99. In der Praxis werden auf Fräsmaschinen etwa 30–40 G-Codes regelmäßig verwendet. Steuerungshersteller wie Fanuc, Siemens und Heidenhain erweitern den Standard um eigene Codes und Zyklen. Unsere G-Code-Referenz listet alle wichtigen Befehle.
Muss ich G-Code manuell schreiben oder reicht CAM?
Für komplexe 3D-Bearbeitungen, Freiformflächen und 5-Achs-Bahnen ist CAM-Software in der Praxis meist notwendig. Dennoch sollte jeder CNC-Programmierer G-Code lesen und verstehen können — zum Debuggen, für Anpassungen an der Maschine und für einfache Bearbeitungen, die schneller manuell programmiert sind. Unsere G-Code-Generatoren automatisieren Standardaufgaben.
Welche Steuerung ist für Einsteiger am besten?
Fanuc ist weltweit weit verbreitet, und viele Lehrbücher sowie Online-Ressourcen verwenden Fanuc-nahe ISO-Syntax. Heidenhain bietet mit der Klartext-Programmierung eine andere Bedienlogik, die besonders im DACH-Raum häufig vorkommt; konkrete Zyklen und Optionen bleiben steuerungsabhängig.