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G-Code Grundlagen
CNC-Programmierung lernen

Der umfassende Einstieg in die CNC-Programmierung. Von der Satznummer bis zum fertigen Programm.

20 Min. LesezeitMärz 2026
CNC-Steuerung mit G-Code-Programm auf Fanuc-Display

Was ist G-Code?

G-Code (DIN 66025 / ISO 6983) ist die Standardsprache für CNC-Werkzeugmaschinen. Jede Zeile enthält Anweisungen für Maschinenbewegung, Werkzeugsteuerung oder Hilfsfunktionen.

Obwohl CAM-Systeme den Code automatisch erzeugen, ist das Verständnis unerlässlich: zum Debuggen, für Korrekturen an der Maschine und zum Verstehen der Bewegungen.

Satzaufbau

N10 G01 X50.0 Y30.0 Z-5.0 F200 S3000 M03
N

Satznummer

G

Wegbedingung

X/Y/Z

Koordinaten

F

Vorschub

S

Drehzahl

M

Maschinenfunktion

Die wichtigsten G-Befehle

BefehlFunktionInfo
G00EilgangSchnelle Positionierung
G01LinearinterpolationGerade mit Vorschub F
G02/G03Kreisbogen CW/CCWMit I/J/K oder R
G17/18/19EbenenauswahlXY / XZ / YZ
G28ReferenzpunktHome-Position
G40/41/42RadiuskorrekturAus / Links / Rechts
G43WerkzeuglängenkorrekturAktiviert WLK
G54–G59NullpunktverschiebungWerkstück-KOS 1–6
G81/G83Bohrzyklus / TiefbohrenFestzyklen
G90/G91Absolut/InkrementalKoordinatenmodus

M-Befehle

M03Spindel CW
M05Spindel STOPP
M06Werkzeugwechsel
M08Kühlmittel EIN
M09Kühlmittel AUS
M30Programmende

Beispiel: Rechtecktasche fräsen

O0001 (RECHTECK-TASCHE)
N10 G90 G17 G21 (Absolut, XY, mm)
N20 G54
N30 M06 T01
N40 S4000 M03
N50 G00 X5 Y5
N60 G43 Z10 H01
N70 G01 Z-3 F100
N80 X45 F800
N90 Y25
N100 X5
N110 Y5
N120 G00 Z10
N130 M05
N140 G28 G91 Z0
N150 M30

G-Code vs M-Code — Was ist der Unterschied?

In einem CNC-Programm arbeiten G-Codes und M-Codes zusammen, übernehmen aber grundlegend verschiedene Aufgaben. Das Verständnis dieser Trennung ist entscheidend für saubere Programme.

G-Codes (Geometrie-Codes) steuern die Bewegung des Werkzeugs: Wohin fährt die Maschine? Wie schnell? Auf welchem Weg (gerade, Kreisbogen)? G-Codes sind modal — einmal aktiviert, bleiben sie wirksam, bis ein anderer G-Code derselben Gruppe sie ersetzt. Beispiel: G01 (Linearinterpolation) gilt für alle folgenden Zeilen, bis G00 oder G02 programmiert wird.

M-Codes (Maschinen-Codes) steuern die Peripherie: Spindel ein/aus, Kühlmittel, Werkzeugwechsel, Programmende. M-Codes sind überwiegend nicht-modal — sie wirken nur einmalig im aktuellen Satz. Ausnahme: M03/M04 (Spindel) bleiben aktiv, bis M05 sie deaktiviert.

Eigenschaft G-Code M-Code
FunktionWerkzeugbewegungMaschinenfunktionen
VerhaltenModal (bleibt aktiv)Meist nicht-modal
BeispieleG00, G01, G02, G90M03, M06, M08, M30
AusführungVor der BewegungVor oder nach der Bewegung

Wichtig: M-Codes über M30 hinaus sind herstellerspezifisch. M50 bedeutet auf einer Fanuc-Steuerung etwas anderes als auf einer Siemens-Steuerung. G-Codes sind dagegen weitgehend standardisiert (DIN 66025 / ISO 6983), wobei es auch hier steuerungsspezifische Erweiterungen gibt.

CNC-Steuerungen im Überblick

Obwohl G-Code standardisiert ist, gibt es zwischen den großen Steuerungsherstellern deutliche Unterschiede in Syntax und Funktionsumfang. Die drei dominierenden Systeme im deutschsprachigen Raum:

Fanuc

Weltweiter Marktführer. Streng an DIN 66025 / ISO 6983 angelehnt. G-Code-Programmierung in klassischer Zeilenstruktur. Fest- und Bohrzyklen (G73–G89). Makro-B-Programmierung für parametrische Programme.

G01 X50.0 Y25.0 F200

Siemens Sinumerik

Dominant in Europa, besonders im Werkzeugbau. N-Nummern-Pflicht, Achswerte mit Gleichheitszeichen (X=50.0). Leistungsfähige Zyklen (CYCLE81–CYCLE97). ShopMill/ShopTurn für dialoggeführte Programmierung.

N10 G1 X=50.0 Y=25.0 F200

Heidenhain

Spezialist für Fräsmaschinen, besonders im DACH-Raum. „Klartext"-Programmierung mit natürlicherer Syntax. Kein klassischer G-Code — stattdessen L (Linear), CC/C (Kreismitte/Kreisbogen), FMAX (Eilgang).

5 L X+50.0 Y+25.0 F200

Unser G-Code-Referenz-Nachschlagewerk zeigt die Äquivalente aller wichtigen Befehle für alle drei Steuerungen. Unsere G-Code-Generatoren können Code für alle drei Formate erzeugen.

Ihr erstes G-Code-Programm — Schritt für Schritt

Jedes CNC-Programm folgt einer festen Struktur: Programmkopf → Werkzeugvorbereitung → Bearbeitung → Programmende. Am Beispiel einer einfachen Bohrung auf einer Fräsmaschine:

O1001 (ERSTE BOHRUNG)
; --- Programmkopf ---
N10 G90 G21 G17 (Absolutmaß, mm, XY-Ebene)
N20 G54 (Werkstück-Koordinatensystem 1)
; --- Werkzeug ---
N30 M06 T01 (Werkzeugwechsel: Bohrer Ø8)
N40 S2000 M03 (Drehzahl 2000 U/min, Spindel EIN)
N50 G43 H01 Z50. (Werkzeuglängenkorrektur)
N60 M08 (Kühlmittel EIN)
; --- Bearbeitung ---
N70 G00 X25.0 Y30.0 (Eilgang zur Position)
N80 G00 Z2.0 (Sicherheitsabstand)
N90 G01 Z-15.0 F120 (Bohren mit Vorschub)
N100 G00 Z50.0 (Rückzug)
; --- Programmende ---
N110 M05 (Spindel AUS)
N120 M09 (Kühlmittel AUS)
N130 G28 G91 Z0 (Referenzfahrt Z)
N140 M30 (Programmende)
TIPP 1

Immer zuerst Z-Achse freifahren, dann XY — verhindert Kollisionen mit dem Werkstück.

TIPP 2

Nach M06 sofort G43 setzen — ohne Werkzeuglängenkorrektur stimmen alle Z-Koordinaten nicht.

Für komplexere Bearbeitungen generieren unsere Tools den Code automatisch: Der Taschenfräsen-Generator erzeugt mehrstufige Zig-Zag-Werkzeugbahnen, der Lochkreis-Generator berechnet Bohrkoordinaten automatisch, und der Gewinde-Generator erstellt G32-Programme mit degressiver Zustellung.

Probelauf-Strategien (Debugging)

Bevor ein neues Programm an der Maschine läuft, sollte es gründlich geprüft werden. Fehler im G-Code können zu Werkzeugbruch, Maschinencrash oder Ausschussteilen führen. Diese vier Strategien helfen, Fehler systematisch zu finden:

1. Grafische Simulation

Die meisten modernen Steuerungen bieten eine grafische Simulation (Fanuc: „Graphics", Siemens: „Simulation", Heidenhain: „Programm-Test"). Hier wird das Programm ohne Maschinenbewegung durchlaufen und die Werkzeugbahn auf dem Bildschirm angezeigt. Immer der erste Schritt!

2. Einzelsatzbetrieb (Single Block)

Im Single-Block-Modus stoppt die Maschine nach jedem Satz. Der Bediener prüft die Position und drückt erneut „Cycle Start". Ideal für den ersten Durchlauf an der Maschine — so kann jede Bewegung kontrolliert werden.

3. Feed Override / Dry Run

Mit dem Feed-Override-Regler kann der Vorschub stufenlos reduziert werden (z. B. auf 10 %). Im Dry-Run-Modus fährt die Maschine alle Bewegungen mit Eilgang — ohne zu schneiden. M01 (Optionaler Halt) stoppt das Programm an kritischen Stellen, wenn „Optional Stop" aktiviert ist.

4. Häufige Fehlerquellen

Fehlender G43: Werkzeug fährt ohne Längenkorrektur → Z-Crash. G90/G91 verwechselt: Absolute vs. inkrementale Koordinaten. Falscher Nullpunkt: G54 statt G55 → Werkstück wird am falschen Ort bearbeitet. F-Wert vergessen: Vorschub 0 → Maschine stoppt oder übernimmt alten Wert.

Unser Online G-Code Viewer ermöglicht die visuelle Prüfung Ihres G-Codes direkt im Browser — ohne Zugang zu einer CNC-Steuerung. Der Konturfräsen-Generator enthält eine integrierte 2D-Werkzeugbahn-Vorschau.

G-Code automatisch generieren?

Unsere Generatoren erzeugen fertigen G-Code.

Zu den Generatoren →

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich G-Code ohne CNC-Maschine testen?

Ja. Die meisten CNC-Steuerungen bieten eine integrierte grafische Simulation. Zusätzlich gibt es kostenlose Online-Tools wie unseren G-Code Viewer, CAMotics oder NCViewer, mit denen Sie G-Code-Programme am PC visualisieren und auf Fehler prüfen können.

Was ist der Unterschied zwischen absolutem und inkrementalem Programmieren?

Im Absolutmodus (G90) beziehen sich alle Koordinaten auf den Werkstück-Nullpunkt. Im Inkrementalmodus (G91) gibt jede Koordinate die Distanz von der aktuellen Position an. Absolutprogrammierung wird für die meisten Programme empfohlen, da sie leichter zu lesen und zu prüfen ist.

Wie viele G-Codes gibt es?

Der ISO-Standard definiert Codes von G00 bis G99. In der Praxis werden auf Fräsmaschinen etwa 30–40 G-Codes regelmäßig verwendet. Steuerungshersteller wie Fanuc, Siemens und Heidenhain erweitern den Standard um eigene Codes und Zyklen. Unsere G-Code-Referenz listet alle wichtigen Befehle.

Muss ich G-Code manuell schreiben oder reicht CAM?

Für komplexe 3D-Bearbeitungen ist CAM-Software unverzichtbar. Dennoch sollte jeder CNC-Programmierer G-Code lesen und verstehen können — zum Debuggen, für Anpassungen an der Maschine und für einfache Bearbeitungen, die schneller manuell programmiert sind. Unsere G-Code-Generatoren automatisieren Standardaufgaben.

Welche Steuerung ist für Einsteiger am besten?

Fanuc ist der weltweite Standard und folgt streng der DIN 66025 / ISO 6983. Die meisten Lehrbücher und Online-Ressourcen verwenden Fanuc-Syntax. Heidenhain bietet mit der Klartext-Programmierung eine intuitivere Alternative, ist aber regional auf den DACH-Raum konzentriert.

Weiterführende Ratgeber & Tools