RATGEBER

Vorschubgeschwindigkeit berechnen: fz, fn, vf und F-Wert

Beim Fräsen berechnen Sie die Vorschubgeschwindigkeit mit vf = fz × z × n. Diese Ratgeberseite erklärt fz, fn, vf und den F-Wert für Fräsen, Drehen und Bohren; konkrete Einzelwerte rechnen Sie anschließend im Vorschub-Rechner.

Vorschub-Rechner öffnen Fräsen einordnen Drehen einordnen Bohren einordnen
8 Min. LesezeitAktualisiert: August 2026
CNC-Bedienpanel mit Vorschub- und Drehzahl-Anzeige

Vorschub-Grundlagen

Der Vorschub beschreibt die Relativbewegung zwischen Werkzeug und Werkstück pro Umdrehung oder pro Zeiteinheit. In CNC-Programmen tauchen vor allem drei Vorschubgrößen auf:

Zahnvorschub fz [mm/z]

Der Vorschubweg pro Zahn (Schneide). Bestimmt die Spanungsdicke und ist die Basisgröße für die Vorschubberechnung. Typisch: 0,02–0,30 mm/z.

Umdrehungsvorschub fn [mm/U]

Der Vorschubweg pro Umdrehung. Beim Fräsen lässt sich fn = fz × z aus Zahnvorschub und Schneidenzahl ableiten; beim Drehen und Bohren stammt f/fn aus Werkzeug- und Prozessdaten.

Tischvorschub vf [mm/min]

Die Vorschubgeschwindigkeit der Maschine: vf = fz × z × n. Wird im NC-Programm als F-Wert programmiert.

Die Vorschub-Formeln

vf = fz × z × n
vf [mm/min], fz [mm/z], z = Zähnezahl, n [U/min]

fn = fz × z
fn [mm/U] — fräs-spezifische Ableitung aus fz und z

Beim Drehen und Bohren wird der Vorschub pro Umdrehung nicht aus einer Zähnezahl berechnet. Verwenden Sie dort die Werkzeug- oder Herstellerangabe für f beziehungsweise fn und rechnen Sie erst danach den Tischvorschub vf = f × n.

WELCHER NÄCHSTE SCHRITT?

Vorschub, Verfahren oder Gewinde?

Wählen Sie den nächsten Schritt nach der offenen Frage. Der Vorschub-Rechner prüft fz, fn und vf als Einzelwerte; vollständige Fräs-, Dreh-, Bohr- oder Gewindejobs gehören in den jeweiligen Verfahrensrechner, weil dort Werkstoff, Eingriff, Leistung und Bohrtiefe mitbewertet werden.

fz-Richtwerte nach Werkstoff

Werkstoff Schruppen fz Schlichten fz
Stahl C450,08–0,150,03–0,08
Edelstahl 1.43010,05–0,120,02–0,06
Aluminium AlMg30,10–0,250,05–0,12
Titan Ti6Al4V0,03–0,080,02–0,05
Gusseisen GJL0,10–0,200,05–0,10

Vorschub direkt berechnen?

Unser Rechner berechnet vf automatisch aus fz, Zähnezahl und Drehzahl und kann fz aus einem bekannten F-Wert rückwärts prüfen.

Zum Rechner →

Vorschub und Oberflächenqualität

Der idealisierte kinematische Rauheitsanteil beim Fräsen hängt vom Zahnvorschub und dem Eckenradius ab: Rz ≈ fz² / (8 × rε) und daraus näherungsweise Ra ≈ fz² / (32 × rε).

Beispiel: fz = 0,10 mm/z, rε = 0,8 mm → Rz ≈ (0,10² / (8 × 0,8)) × 1000 = 1,56 µm, daraus Ra ≈ Rz / 4 ≈ 0,39 µm. Für reale Zeichnungsfreigaben zählen Messverfahren, Werkzeugzustand, Rattern und Werkstoff; der Oberflächenrauheit Rechner ordnet Ra/Rz separat ein.

5 Praxistipps zum Vorschub

  1. Mindest-fz einhalten — Unter einem werkzeugspezifischen Minimum „reibt" das Werkzeug anstatt zu schneiden. Das erzeugt Hitze und Verschleiß statt Späne.
  2. Eckenradius nutzen — Werkzeuge mit größerem rε erlauben höhere fz bei gleicher Oberflächengüte.
  3. Vorschub in Ecken reduzieren — Bei 90°-Richtungsänderungen den vf auf 50–70% senken, um Werkzeugbelastungsspitzen zu vermeiden.
  4. Anfahrt mit reduziertem Vorschub — Beim Eintauchen und Anschnitt den Vorschub auf 30–50% reduzieren und schrittweise auf Nennwert erhöhen.
  5. Wiper-Platten für höheren Vorschub — Wendeplatten mit Wiper-Geometrie erzeugen Ra ≤ 0,8 µm bei doppeltem fn gegenüber Standard.

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